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Hier erfährst du Neuigkeiten unserer Schule

Die neue Boje-Welle ist endlich da!

Boje Welle Nr 53

Pressespiegel

   

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Historischer Überblick

Rede anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Schulgebäudes in der Bojestraße 30 (von Hans-Peter Stein)

Die Knaben- und Mädchenmittelschule im Entstehen der Gemeinde Brunsbüttelkoog war 1911 die erste eigenständige Mittelschule in Dithmarschen.  Am 20. April 1911 fanden die Aufnahmeprüfungen statt und es wurden 58 Schülerinnen und Schüler eingeschult.  Die Schule war zunächst in der Tiedemannstraße 17 untergebracht, einem Haus in dem früher eine Privatschule ansässig gewesen war.  Neben 5 Klassenräumen befand sich auch die Dienstwohnung von Otto Prenzlin, dem 31-jährigen ersten Schulleiter darin.

Die Schule unterstand der Schulinspektion, vergleichbar mit der heutigen Schulaufsicht, von Pastor Suhr in Eddelak.  Die Lehrkräfte unterrichteten 27 Wochenstunden.  Das ist auch heute noch so.  Die Stundentafel weicht nur in zwei Fachbereichen deutlich von der heutigen ab:  Es gab nur zwei oder drei Stunden „Naturkunde“, während wir heute teilweise bis zu 6 Wochenstunden Naturwissenschaften unterrichten, und:  die Schüler hatten ab der Klassenstufe 5 Französisch und zwar im Schnitt 5 Wochenstunden, während Englisch erst ab Klassenstufe 8 mit 4 Wochenstunden gegeben wurde.  Jede Klasse hatte natürlich 2 Stunden Religion.

Durch den zunehmenden Schiffsverkehr auf dem Kaiser-Wilhelm-Kanal wuchs die Einwohnerzahl von Brunsbüttel und Brunsbüttelkoog ständig.  Als Folge davon hatte die Schule Ostern 1912 bereits 95 Schüler und Ostern 1913 schon 162.  Ein eigenes Schulgebäude wurde nötig, 1912 beschlossen und 1913 in weniger als einem Jahr Bauzeit in der Bojestraße erstellt.  Das waren noch Zeiten! Der Bau kostete damals rund 300.000 Mark oder auch Goldmark.  (Das sagt nur bedingt etwas aus.  Der Monatslohn eines Chemiearbeiters betrug damals 120 Mark, das Gebäude kostete also etwa das 2.500-fache.  Geht man davon aus, dass ein Chemiefacharbeiter heute vielleicht 4.000 € brutto im Monat verdient, dann ist das 2.500-fache davon 10 Millionen €.  300.000 Mark war also sehr viel Geld.)  Am 05. November 1913 wurde der Bau offiziell eingeweiht.  Die Schule erhielt den Namen Boje-Mittelschule nach dem uralten Dithmarscher Geschlecht der Bojen.  Sie wurde eineinhalb Jahre später im Juli 1915 als vollausgebaute Mittelschule anerkannt.  Bis 1919 mussten jedoch die Abschlussprüfungen vor einem Prüfungskollegium in der Kaiser-Karl-Schule in Itzehoe, damals ein sog. Reform-Realgymnasium, abgelegt werden.  Erst ab 1920 durften alle vollausgebauten Mittelschulen Prüfungen in eigener Regie durchführen.

Die Schülerinnen und Schüler mussten Schulgeld zahlen und zwar jährlich 100 Mark in den heutigen Klassenstufen 5 und 6, 130 Mark in den Klassenstufen 7 und 8 und 160 Mark in den Klassenstufen 9 und 10.  (Ich erinnere hier an den Monatslohn eines Chemiearbeiters in Höhe von 120 Mark.)  Für auswärtige Kinder kostete es 20 Mark mehr.  Auch damals gab es so etwas Ähnliches wie eine Sozialstaffel (natürlich nicht nach heutigem Verständnis), denn das zweite Kind einer Familie zahlte nur 75%, das dritte nur 50% des eigentlich fälligen Schulgeldes.

Die Entwicklung der Schule in ihrem neuen Gebäude verlief während des 1. Weltkriegs und in der Nachkriegszeit ohne besondere Ereignisse.  Lehrkräfte,  u.a. auch der Schulleiter wurden zwar zum Heeresdienst einberufen,  es gab jedoch Vertretungen, so dass so gut wie kein Unterricht ausfiel.  Die Schüler wurden zu Sammelaktionen z.B. für Kriegsanleihen und Goldmarksammlungen herangezogen sowie auch für Paketaktionen mit Liebesgaben für die Frontsoldaten.  Der nationale oder vaterländische Gedanke war in der Gesellschaft so verinnerlicht, dass der Unterricht dennoch ohne wesentliche Einschränkungen durchgeführt werden konnte.

Im Schuljahr 1918/19 besuchten bereits 272 Kinder die Schule, die in 6 Klassen unterrichtet wurden. (Das waren also im Schnitt 45 Kinder pro Klasse.)  Innerhalb der nächsten 20 Jahre sank die Schülerzahl stetig bis auf 127.

Die Zeit zwischen 1933 und 1945 war verbunden mit erheblichen Einschnitten in die Schulorganisation und in die Gebäudenutzung.  Die Lehrkräfte mussten an Umschulungslehrgängen teilnehmen.  Es gab neue Bildungs- und Erziehungsprinzipien.  Der Samstag, an dem bisher selbstverständlich Unterricht stattgefunden hatte, wurde zum unterrichtsfreien Staatsjugendtag.  Hier fanden dann sportliche und politische Veranstaltungen der Hitlerjugend ihren Platz.  Ständig mussten Schüler zudem zu politischen Kursen beurlaubt werden.

Am ersten Kriegstag im September 1939 musste das ganze Gebäude geräumt werden, es wurde hier ein Lazarett eingerichtet.  Zwar wurde das Lazarett kurz darauf nach Marne verlegt, aber danach diente das Schulgebäude bis zum Ende des Krieges als Unterkunft für militärische Einheiten.  Seit Ende 1944 wurde es zunächst als Auffang- und Durchgangsstelle für Vertriebene genutzt. 

Unterricht fand teilweise in der Schule Nord, teilweise in notdürftig hergerichteten schulfremden Räumen statt.  Der wurde jedoch neben der Verteilung auf die verschiedensten Stellen des Ortes noch unergiebiger dadurch, dass Schüler wie Lehrer Sonderdienste abzuleisten hatten.  Zum Beispiel kann da das jährliche Kohlpflanzen an 10-12 Unterrichtstagen genannt werden oder die Ausbildung der älteren Schüler zu Flakhelfern.  Der Staatsjugendtag und insbesondere politische Lehrgänge fanden weiterhin statt.  Die vielen Fliegeralarme führten zu erheblichem Unterrichtsausfall, denn wenn sie über Mitternacht hinaus dauerten, fand am nächsten Tag, irgendwie verständlich, kein Unterricht statt.

Nicht zum Wehrdienst herangezogene Lehrer mussten dreimal wöchentlich Nachtdienst im Luftschutz verrichten.  Ob die am nächsten Unterrichtstag wohl ziemlich müde waren?  Daneben sollte die Mittelschule in eine nationalsozialistische Hauptschule mit nur noch 4 Jahrgangsstufen (nach dem Besuch der Klassenstufen 1 bis 4 der Volksschule) umgebaut werden.  1942 wurde der Schuljahresbeginn auf den Herbst verlegt und die lateinische Schrift als Normalschrift eingeführt.

Die Jugend wurde zur „Mitüberwindung wirtschaftlicher Engpässe“ verstärkt beansprucht.  Kinder und Jugendliche mussten z. B. Eisen, Buntmetalle und Papier sammeln, sie züchteten Seidenraupen oder leisteten Arbeitseinsätze bei Bauern oder bei der Flugabwehr.

Gegen Ende des Krieges trafen immer mehr Vertriebene und Flüchtlinge in den westlichen Teilen des Landes ein, so dass Privathäuser zu deren Unterbringung nicht ausreichten und Klassenräume zur Verfügung gestellt werden mussten.

Erst im März 1946 konnte der Unterricht wieder planmäßig aufgenommen werden.  Die Schülerzahl betrug 352 in 9 Klassen, 1951, 5 Jahre später bereits 480 in 14 Klassen.  Es ist mir rätselhaft, wie man das damals technisch gelöst hat, von Containern habe ich jedenfalls nichts gelesen.  Durch die Abwanderung der Vertriebenen und Flüchtlinge sank die Zahl jedoch bis 1962 wieder auf 293 Schüler, die in 12 Klassen unterrichtet wurden.

1946 war der Unterricht wieder in der alten sechsstufigen Form aufgenommen worden.  Schon damals gab es jedoch grundlegende bildungspolitische Differenzen.  1948 führte die SPD-geführte Landesregierung die sechsstufige Grundschule ein und entzog so der Mittelschule ihre Existenzvoraussetzung.  Als 1950 die CDU die Regierung übernahm, wurde die Mittelschule wieder in ihre 6 stufige Form auf dem Sockel einer 4-stufigen Grundschule „zurückumgewandelt.“   Ich hatte über diese einschneidenden schulpolitischen Veränderungen in Schleswig-Holstein bisher noch nie etwas gehört, doch kamen sie mir irgendwie seltsam vertraut vor.

1961 wurde das Schulgebäude um einen naturwissenschaftlichen Trakt erweitert.  Je ein Chemie- und Physikraum mit den zugehörigen Sammlungsräumen entstanden im Obergeschoss, dazu zwei Klassenräume, von denen einer heute als Biologieraum genutzt wird, die Lehrküche mit Speiseraum und die Gymnastikhalle, mit Umkleide- und Duschraum.  600.000 DM betrugen die Kosten für diesen Erweiterungsbau.  Ich habe das mal mit der Kaufkrafttabelle einer Immobilien-Gruppe für heute hochgerechnet, danach hätten wir es heute mit etwa 5 Mio. Euro zu tun.  (Diese Zahl muss natürlich mit gehöriger Vorsicht behandelt werden.)

1971/72 wurde ein weiterer Anbau erstellt, heute gemeinhin als Pavillon bezeichnet.  Er enthielt ein damals hochmodernes Sprachlabor, eine Lehrerbücherei und die dringend benötigten neuen Schülertoiletten.  Ebenfalls gehörten der Umbau und die Renovierung der Turnhalle mit in dieses Paket, das mit 900.000 DM zu Buche schlug, nach der eben schon erwähnten Kaufkrafttabelle hochgerechnet, wären das heute etwa 5,4 Mio. Euro.

Aus diesen Zahlen wird deutlich, dass die Stadt Brunsbüttel für ihre Schulen (ich gehe davon aus, dass alle Schulen in etwa gleich gut versorgt wurden) damals ganz erhebliche Mittel aufgewendet hat.  Die Bildung hat hier zu jener Zeit ganz offenbar einen sehr hohen Stellenwert gehabt.  Deutlich wird das auch in einem Satz aus der Schulchronik von 1964, in der der damalige Bürgermeister Hinderikus Alberts mit den Worten zitiert wird: „Die schulfreundliche Stadt Brunsbüttelkoog wendet einen wesentlichen Teil ihrer Steuereinnahmen für ihre Schulen auf, für die Vorbereitung der Jugend auf das spätere Leben.  Hierfür kann kein Pfennig zu schade sein.“ (Zitat Ende)

1966 wurden alle Mittelschulen in Realschulen umbenannt und so entstand der Name Boje-Realschule, der bis 2008 Bestand hatte.  Ebenfalls 1966 wurde der Schuljahresbeginn erneut von Ostern auf den Herbst verlegt (aufmerksame Leser erinnern sich, dass das 1942 schon einmal der Fall gewesen war, um nach dem Krieg wieder revidiert zu werden.).  Es gab zwei Kurzschuljahre (April bis November 1966 und Dezember 1966 bis Juli 1967 und hier beginnt für mich Zeitgeschichte, denn ich kann mich noch ganz gut daran erinnern, wie wir als Sextaner über diese Entscheidung gejubelt haben, denn die Alternative, die ebenfalls zur Diskussion stand, wäre ein Langschuljahr über 16 Monate gewesen.

Für den Schulstandort Brunsbüttel und insbesondere für seine Realschule wichtig war die Einrichtung des IPTS für Realschulen in Heide.  Viele Lehrkräfte, die vorher an die Schule gekommen waren, verließen sie relativ schnell wieder, weil sie in den größeren Städten unterrichten wollten.  Als Lehrkräfte im IPTS Heide ausgebildet wurden, änderte sich das.  Viele lernten Dithmarschen kennen und lieben und wollten auch nach dem Staatsexamen hierbleiben.  Davon profitierten alle Dithmarscher Realschulen.  Seit 2003 ist das wieder Geschichte, die Lehrerausbildung wurde erneut reformiert.  Ob das heutige System besser ist, wage ich zu bezweifeln.

In den 70er und 80er Jahren findet man in der Chronik nichts wirklich Weltbewegendes, es wurden Feste gefeiert, es gab den ersten Schülerstreich zum Schulabschluss, mit Dänemark und Frankreich wurden Schüleraustausche ins Leben gerufen.  Neben Berichten über Plattdeutsch in der Schule, Laienspiel, Seniorenweihnachtsfeiern und diversen Projektwochen fand ich viele Fotos von Abschlussschülern.

1988 wurde der Schulhof in drei Bauabschnitten umgestaltet.  Den Schülern standen von da an Sportmöglichkeiten für Handball, Volleyball, Basketball und Korbball zur Verfügung.  Eine Rasenfläche mit einer Rundbank wurde ebenfalls angelegt.  Schade, dass das einzige Grün des Schulhofs vor kurzem einem Container weichen musste.

Einen interessanten Eintrag fand ich unter dem 8. November 1997:  Dank der Eigeninitiative der Schulleitung und der Unterstützung der SPD-Ortsfraktion habe die Wanderklasse mit 24 Schülern wieder ein festes Klassenzimmer.  Ermöglicht wurde das durch die Umwandlung des bisherigen Kartenraums in einen weiteren Klassenraum.  Karten, Klassensätze von Fachbüchern, Folien und anderes Medienmaterial wurden in ein ausgebautes Dachzimmer umgelagert. 

Im November 1998 wurde die auch heute noch aktive Solaranlage auf dem Dach des Pavillons in Betrieb genommen.

Im Jahr darauf kam der Brandschutz.  Alle Dithmarscher Schulen wurden brandschutztechnisch untersucht und auch unser Jubilar musste sich erneut einem bedeutsamen Eingriff unterziehen.  Die freistehende Metalltreppe am viel zu kleinen Lehrerparkplatz in der Bötticherstraße, die einen zweiten Fluchtweg aus dem zweiten Obergeschoss herstellt, ist zugleich eine kosmetische Veränderung der Gebäudeansicht deretwegen man den Chirurgen eigentlich verklagen müsste.  Daneben wurden Rauchabschlusstüren eingebaut und für den zweiten Fluchtweg aus dem Chemieraum über das Dach des Pavillons ein Holzgerüst gezimmert. 

Zu diesem Zeitpunkt beherbergt die Schule 397 Schüler.  Ein Klassenraum befindet sich im Keller, einer im ehemaligen Umkleideraum der Gymnastikhalle.  Der CDU-Ortsverbandsvorsitzende Klaus-Peter Lüttge stellt angesichts des extrem kleinen Raumes fest: (Zitat) „ Die Schüler vorne brauchen gar nicht aufzustehen, um etwas an die Tafel zu schreiben.“ (Zitat Ende)  Im zweiten Obergeschoss haben Schüler versteckt hinter zwei schmalen Fluren unter dem Dach Unterricht.  Der Raum ist L-förmig, in ihm stehen mehrere Dachstützen und nicht jeder Schüler kann von seinem Platz aus die Tafel sehen.

Das letzte bauliche Großprojekt fand 2001-2002 statt. Der damalige Schulelternbeiratsvorsitzende Ingo Paschen wird mit den Worten zitiert: „ Die Schule hat kein Ambiente mehr, der Unterricht ist gerade noch möglich.“  Und die damalige Bürgervorsteherin Gerdemarie Binder sagte: „Der Zustand der Schule ist nicht mehr hinnehmbar.  Es ist zwar immer etwas gemacht worden, aber das war nicht genug.“  2 Mio. DM wurden investiert für 50 Fenster an der Süd-West-Seite des Gebäudes, für die Sanierung des Mauerwerks und die Reparatur des maroden Turms mit den Uhren.  Hier traf man auf einen bisher nicht gesehenen Untermieter des Gebäudes, den Holzbock,  wodurch sich die Reparaturen verteuerten, um ihn hinauszuwerfen.  Beim Austausch der Fenster kamen den Handwerkern zum Teil die Mauerstürze entgegen, unser Jubilar war halt nicht mehr der Jüngste.

Alle Klassenraumtüren wurden aufwändig erneuert, im gesamten Schulgebäude fanden Malerarbeiten statt, die 20 Jahre alte Beleuchtung in den Klassenräumen wurde ausgetauscht.  Der jetzige Informatikraum und der Medienkunderaum unter dem Dach wurden geschaffen und die Decke, Lampen, der Fußboden und die Glasbausteinfenster in der Gymnastikhalle erneuert.  In den Klassenräumen und Fluren wurden die Heizkörper und die Fußböden erneuert.  Unser Hausmeister Peter Gennun berichtet über den ehemaligen Aufbau der Fußböden:  Die Schule besitzt Holzbalkendecken, die mit Eisen verstärkt sind.  Darauf befand sich dann eine Schicht länglicher Hohlblocksteine, eine Schicht Sand (natürlich von 1913), eine etwa 5 cm dicke Schicht Gips und schließlich ein dünner Fußbodenbelag.  Die Wände sind teilweise bis zu 4 cm stark verputzt.  Der Putz ist extrem trocken und keinesfalls belastbar. Ein in die Wand geschlagener Nagel, der nicht weit ins eigentliche Mauerwerk hineinragt, reißt bei seitlicher Belastung ein größeres Loch in die verputzte Wand.

Den gravierendsten Einschnitt in die Schulorganisation von 2008, als die ehemalige Hauptschule Brunsbüttel und die Boje-Realschule in ihrer Eigenständigkeit aufhörten zu existieren und zur heutigen Regionalschule zusammengeführt wurden, habe ich bereits vorhin erwähnt.  Baulich bedeutete das, dass die ehemalige Wohnung des Schulleiters und spätere Wohnung des Hausmeisters zu einem Verwaltungstrakt umgebaut werden musste.  2009 wurden die ersten beiden Containerklassen eingerichtet, wodurch der Schulhof etwas verkleinert und der Schwarze Weg, ein Durchgang von der Wurtleutetweute zur Bojestraße gesperrt wurde.  Hierdurch verloren die rauchenden Schüler ihre Rückzugs- und Versteckmöglichkeit.  Sie wichen auf den einzigen schwer zu kontrollierenden Bereich, nämlich die Schülertoiletten aus, was zu erheblichem Stress führte und noch bis heute führt.   Etliche freuen sich auch auf den Weg zum Bildungszentrum, wenn sie in der dort gelegenen Halle Sport haben oder Technikunterricht im ebenfalls dort gelegenen Fachraum.   Auf dem Weg schafft man, wenn man gemütlich geht locker sogar zwei Zigaretten und das Risiko erwischt zu werden ist erheblich geringer als in der Schule.

2010 schließlich übersiedelten die restlichen ehemaligen Hauptschulklassen in die Bojestraße.  Für weitere 6 Klassen wurden Container aufgebaut, der Schulhof wurde wieder etwas kleiner.  Ein Klassenraum (nämlich der, der bis 1997 noch als Kartenraum und Lehrmittelsammlungsraum fungiert hatte und dann zum Klassenraum umfunktioniert worden war) wurde zum zweiten Lehrerzimmer umgerüstet.  An der Schule waren 40 Lehrkräfte und zwei Sozialpädagogen tätig; es gab 525 Schüler.

Wie sehr sich Schule wandelt wird in den Worten von Landesschuldirektor  Jakob Schäfer deutlich, die er in seiner Rede zum 75-jährigen Jubiläum der Realschule 1986 sagte: (Zitat) „Meine Sorge um die Zukunft ist nicht so groß bei den Realschülern, sondern eher bei den Gymnasiasten und Hauptschülern.“ (Zitat Ende)  Schäfer weiter: Die Realschule habe in der Schullandschaft einen festen, unumstrittenen Platz. Hier würde den Schülern in allen Fächern solides, überprüfbares und abfragbares Wissen beigebracht.  

27 Jahre später sehen wir, dass auch ein Landesschuldirektor irren kann und ein Blick in die Schulzukunft über 25 Jahre äußerst schwer wenn nicht gar unmöglich ist.  Trotzdem probieren sich immer wieder Menschen daran.

Heute ist das bloße Abfragen von Wissen in Abschlussprüfungen absolut verboten.  In unserer Zeit verdoppelt sich das Wissen der Welt schätzungsweise im Schnitt alle 8 Jahre.  Gewiss ist ein Grundgerüst an Wissen, ein Grundwissen, um die Welt zu verstehen, nötig,  viel wichtiger aber ist es, die Fähigkeit zu erwerben, sich selbst Wissen anzueignen, und die Quellen aus denen man dieses Wissen schöpft, medienkritisch zu beurteilen.      Wenn sich also Schule zwischen 1913 und etwa 1990 hauptsächlich um die Vermittlung und den Erwerb von Wissen gekümmert hat, haben sich die Anforderungen sowohl an die Institution Schule als auch an das Gebäude im Laufe der vergangenen 15 bis 20 Jahre grundlegend gewandelt.  Heute geht es um die Vermittlung von Kompetenzen, Fähigkeiten und Fertigkeiten und immer stärker um Erziehung.

2012 beschloss die Ratsversammlung den Bau eines neuen Gebäudes für die Regionalschule, nachdem über fast drei Jahre sehr intensiv mit Verwaltung, Politik, Eltern, Schülern und Lehrkräften geplant worden war.

Vorgestern erfuhren wir aus der Zeitung, dass der Bau gestoppt sei.

Trotz aufgrund der demografischen Entwicklung in Schleswig-Holstein deutlich zurückgehender Schülerzahlen, gibt es zum Neubau keine vernünftige Alternative.  Unser Jubilar, oder wer möchte darf das Gebäude auch die alte Dame nennen, ist von außen architektonisch wunderschön.  Als Schulgebäude kann es den Anforderungen an moderne Unterrichtsformen nicht mehr genügen.  Die heutige Schülerschaft benötigt völlig andere Raumkonzepte als dieses Gebäude sie bieten kann.  Mit dem jetzigen Gebäude und dem jetzigen Zustand sind wir als Schule weder zukunfts- noch im Wettbewerb mit den umliegenden Schulen konkurrenzfähig. 

Im Zuge der Inklusion sollen möglichst alle Schüler mit Förderbedarfen an den Regelschulen, sprich Regional- oder ab 2014 nur noch Gemeinschaftsschulen unterrichtet werden.  Das bedeutet dass das Förderzentrum dringend mit in unser Haus muss. 

Zum Schluss ein Blick auf Schülerzahlen: 1913 zogen 162 Kinder in den Neubau ein, 1918 waren es 272.  Bis 1938 erfolgte ein langsamer Rückgang auf 127, 1947 waren es 352 Kinder, 1951 480 und 1962 wieder nur 293.  Danach stieg die Schülerzahl langsam aber stetig bis 1977 auf 465 an, um bis 1988 wieder auf 290 zu fallen.  Um die Jahrtausendwende besuchten wieder rund 400 Kinder die Schule, 2010 waren es 525.

Nachsatz: Nach einem für den Schulneubau positiv ausgegangenen Bürgerentscheid im Januar 2015 wird am 16. Oktober 2015 der erste Spatenstich für den Neubau offiziell gefeiert.  Im Januar 2018 soll das neue Schulgebäude bezogen werden.

Boje-Mittelschule-1

   

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